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Empfang der Retreatlerinnen und Retreatler in Kündröl
Püntsok Ling
im November 2004
 

Der
erste Schnee bedeckte die Landschaft in Jägerndorf, und aus dem Nebel,
der die Hügel und Dörfer umgab, tauchten am Mittwoch und Donnerstag
immer mehr Männer und Frauen in die heimelige Atmosphäre des
Zentrums ein, um für ein paar Tage ihre Erfahrungen aus dem Dreijahresretreat
in Frankreich untereinander auszutauschen, sowie sich auch den Fragen
der interessierten Besucher zu stellen. Mit Hilfe des Hausteams wurden
die nötigen Vorbereitungen getroffen. Von Anfang an entstand durch
die enge Zusammenarbeit und Nähe eine freundliche, familiäre
Atmosphäre, die durch die Präsenz von Lama Dordje Drölma
und Lama Tashi bereichert und genährt wurde.
Donnerstag
Nachmittag zogen dann sechs Frauen und sieben Männer, die ein oder
nun bereits zwei traditionelle Zurückziehungen durchlebt hatten,
feierlich in den Tempel ein und brachten den Drei Juwelen ein Mandalaopfer
dar. Dordje Drölma und Tashi begrüßten alle Anwesenden
und erinnerten sich an den ersten Empfang von Retreatlern in Jägerndorf,
vor mehr als sieben Jahren. Damals wurde der Tod von Gendün Rinpoche
bekannt gegeben, und auch da bedeckte Nebel das Land.
Die mehrstündige Mahakala Tsok Pudja war für die anwesenden
Besucher ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. Mit Kraft und Harmonie wurden
der Text rezitiert und die Instrumente gespielt - die Luft vibrierte.
Die gesegneten Speisen wurden, von freundschaftlichen Gesprächen
begleitet, während des Tsok Festes gemeinsam verzehrt. Die Anstrengungen
und Strapazen der vergangenen Tage begannen sich aufzulösen.
In
den folgenden zwei Tagen lag der Schwerpunkt auf Austausch und gemeinsamer
Praxis. Die morgendliche Tara Pudja war ein kraftvoller Einstieg in
den Tag. Alle Instrumente ertönten und die Rezitationen waren im
Tempo den Besuchern angepasst, so dass alle an der Praxis teilhaben
konnten. Beim Frühstück begann dann der rege Austausch des
Tages in eher lockerer Form. Darauf folgte eine Phase gemeinsamer Schine
Praxis (Meditation der Geistesruhe) mit anschließendem Austausch.
Im Kreise sitzend wurden zunächst grundlegende Fragen zur Durchführung
der Retreats beantwortet. So wurden der Tagesablauf und die Struktur
der einzelnen Phasen in der Zurückziehung erläutert. Mit sehr
lebendigen Beispielen wurde klar, dass das Zusammenleben im Retreatzentrum
nicht immer einfach war. Die Drublas erzählten auch von schmerzlichen
Erfahrungen und den daraus gewonnenen Erkenntnissen, was alle sehr berührte.
Die Jahre in der Zurückziehung waren ein Prozess der geistigen
Reinigung und Selbsterkenntnis, für den alle tiefe Dankbarkeit
empfinden. Die Offenheit und Freude in den Gesprächsrunden ließ
bei einigen Besuchern den Wunsch aufkommen, auch ein Retreat durchzuführen,
zumindest aber wieder verstärkt zu praktizieren.
Die kurze Mahakala Pudja vor dem Abendessen und die Tschenresi Praxis
am Abend bildeten den formalen Abschluss des Tages. Die Märchenerzählerin
Angela Lorent verzauberte am Freitag Abend ihre Zuhörer im Zentrum
mit einer selbst erdachten Geschichte.
Samstag Abend wurde im Zentrum ein öffentlicher Vortrag gehalten
mit dem Thema: „Warum meditieren ?“. Die Lamas Dordje Drölma
und. Tashi übernahmen die Einführung und im Hauptteil sprachen
vier der jungen Drublas über ihre Erfahrungen. Ihre lebendigen
Erzählungen brachten den Zuhörern ihre Beweggründe zum
Praktizieren im Retreat nahe und machten auch die angewandten Praxismethoden
verständlich. Der Abend klang mit vertiefenden Gesprächen
aus.
Am Sonntag war es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Diese Tage waren
für alle eine sehr inspirierende Begegnung gewesen, die große
gegenseitige Dankbarkeit hervorgerufen haben. Sie haben die Früchte
der Praxis gezeigt und deutlich gemacht, wie kostbar es ist, Buddhas
Lehre praktizieren zu können.
Dann machten sich die meisten wieder auf die Reise - einige auf den
Weg in einen neuen Lebensabschnitt in der Gesellschaft, andere ins Kloster,
einige wieder zurück in ihr Meditationszimmer im Retreat.
Maja Sorgatz
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