1975 kamen Gendün Rinpotsche und Jigme Rinpotsche nach Südfrankreich, in die Dordogne, um mit dem Aufbau des Zentrums zu beginnen, das der Hauptsitz der Karma Kagyü Überlieferungslinie in Europa wurde: Dhagpo Kagyü Ling. Schon in den ersten Jahren reiste Gendün Rinpotsche viel, um den Dharma auch in anderen europäischen Ländern, u.a. in Deutschland, zu lehren. 1984 begab sich die erste Gruppe von Gendün Rinpotsches Schülern, dreizehn Männer und fünf Frauen, in Dhagpo Kündröl Ling in der Auvergne in das erste Dreijahresretreat nach tibetischer Tradition. Inzwischen praktiziert dort bereits die sechste Generation im Retreat. Auch in Deutschland bildete sich eine Gruppe von Praktizierenden, die unter Gendün Rinpotsches Anleitung ein Dreijahresretreat durchführte. Es fand von 1986 bis 1990 in Halscheid im Siegerland statt. 1992 gründeten die ersten von Gendün Rinpotsche formierten Lamas in Dhagpo Kündröl Ling eine Klostergemeinschaft, in der heute etwa 80 Nonnen und Mönche leben. Gendün Rinpotsche regte den Aufbau weiterer Dharmazentren an und legte deren Leitung in die Hände seiner Schülerinnen und Schüler. In Frankreich entstanden 1996 ein Langzeit-Retreatplatz für Laien und Paare, Dedröl Ling, etwa zur gleichen Zeit ein Kurzzeit-Retreatzentrum, Dargye Ling, sowie ein Jahr später ein Kurszentrum für Familien, Paare und andere Laienpraktizierende, Gepel Ling. In Deutschland lehrten die Lamas eine Zeitlang im ehemaligen Retreatzentrum in Halscheid, und ab 1996 in dem neu eingerichteten Zentrum Kündröl Püntsok Ling in Niederbayern. Im April 2001 fand in Deutschland der erste Karma Kagyü Osterkurs statt, eine zentrale Veranstaltung mit den Lehrern des Dhagpo Kagyü Mandala, die seither jedes Jahr angeboten wird. Gendün Rinpotsche verließ im Oktober 1997 seinen Körper. Seitdem wird seine Aktivität von seinen Schülerinnen und Schülern weitergeführt. Die spirituelle Leitung des Mandala liegt beim 17. Gyalwa Karmapa Trinle Thaye Dordje, beim 14. Shamar Rinpotsche und bei Jigme Rinpotsche, Karmapas offiziellem Vertreter in Europa. Wie das Mandala entstand In den 70er Jahren reiste der 16. Gyalwa Karmapa drei Mal in den Westen. Dabei gewann er den Eindruck, dass Buddhas Lehre hier auf Interesse stoßen und den Menschen helfen würde zu verstehen, wie sie besser mit ihren Problemen umgehen und sie letztlich auflösen können. Daher bat er Gendün Rinpotsche nach Europa zu gehen, um den Dharma zu lehren. Als Ort für sein Hauptzentrum wählte Karmapa ein Gelände in Südfrankreich, das ihm ein amerikanischer Industrieller, Mr. Benson, geschenkt hatte und nannte es "Dhagpo Kagyü Ling", ("der Ort, an dem die Dharma-Übertragung, wie sie von dem Meditationsmeister Gampopa ausging, weitergegeben wird".) Warum wählte Gyalwa Karmapa gerade diesen Ort für sein europäisches Hauptzentrum? Shamar Rinpotsche erklärte dazu: "... nur ein Wesen wie der Karmapa kann sehen, warum Frankreich und diese bestimmte Gegend unter den europäischen Ländern am günstigsten ist. ... Einige Orte sind besser für den Aufbau und die Entwicklung des Dharma geeignet als andere. Frankreich wurde gewählt, weil alle notwendigen Bedingungen vorhanden waren, wodurch sich der Dharma erstaunlich entwickeln, vollständig verwurzeln und sehr weiträumig ausbreiten konnte."
Sie
taten dies mit unglaublicher Geduld und ohne sich je über die schwierigen
Lebensumstände zu beklagen. Zunächst musste der alte, verfallene Bauernhof
bewohnbar gemacht werden. Die Lamas lebten während der ersten Jahre unter
ärmlichsten Bedingungen: zu Beginn hatten sie nicht einmal einen Herd und
kochten im Wohnraum auf offenem Feuer.
An seinem lebendigen Beispiel und dem der anderen Lamas erlebten die Schüler, wie man die Lehren von Liebe, Mitgefühl und Weisheit im täglichen Leben anwendet und so wuchs in ihnen allmählich ein tiefes Vertrauen in den Dharma. Einige von Gendün Rinpotsches Schülern und Schülerinnen, die den Wunsch hatten, intensiver zu praktizieren, baten ihn Anfang der 80er Jahre, sie durch ein traditionelles Dreijahresretreat zu führen. 1983 wurde in der kleinen Ansiedlung "Le Bost" in Frankreich in der Auvergne ein passender Platz gefunden, den Rinpotsche "Dhagpo Kündröl Ling" nannte, den "Ort, wo alles befreit wird". Dort begannen eine Gruppe von dreizehn Männern und eine Gruppe von fünf Frauen 1984 das erste Dreijahresretreat. Zehn von den Männern entschlossen sich, ein weiteres Retreat durchzuführen. Dafür kaufte die Gemeinschaft ein benachbartes Haus, das die Retreatteilnehmer innerhalb weniger Monate für ihre zweite Zurückziehung ausbauten. Mit jedem Retreatzyklus kamen mehr Interessierte in die Auvergne und jedesmal entstanden weitere Retreatgruppen. Die zukünftigen Retreatteilnehmer bauten neue Häuser, und heute ist Dhagpo Kündröl Ling auf insgesamt zehn Retreatzentren angewachsen - fünf für die Männer in Le Bost und fünf für die Frauen im drei Kilometer entfernten Laussedat. Parallel zu den Retreats in Frankreich leitete Rinpotsche von 1986 bis 1990 ein Dreijahresretreat in Deutschland, das mit Beginn des darauffolgenden Retreatzyklus aus organisatorischen Gründen nach Dhagpo Kündröl Ling verlegt wurde.
Nach Abschluss der ersten Retreats in Frankreich wurde ein Ort benötigt, an dem die Mönche und Nonnen leben und ihre Praxis weiterführen konnten. Die Gemeinschaft von Dhagpo Kündröl Ling erwarb ein angrenzendes Stück Land, und es wurde sofort mit den Bauarbeiten begonnen. Das Männerkloster in Le Bost wurde 1994 fertiggestellt und 1996 das Frauenkloster in Laussedat.
Auch die Aktivität von Dhagpo Kagyü Ling entwickelte sich weiter. Inspiriert durch Gendün Rinpotsches Belehrungen bildeten sich Dharmagruppen in vielen Städten Frankreichs, wie auch in anderen europäischen Ländern. Die ersten westlichen Lamas, die ein oder zwei Retreats abgeschlossen hatten, unterstützten Gendün Rinpotsche in seiner Lehrtätigkeit, boten öffentliche Dharmakurse an und begleiteten Praktizierende auf ihrem Weg.
Gendün Rinpotsche rief weitere Zentren ins Leben, wobei jedes für sich eine etwas andere Aufgabe erfüllt. 1995 bekam Rinpotsche ein Grundstück mit einem alten Bauernhaus geschenkt, nur wenige Kilometer von Dhagpo Kagyü Ling entfernt. Er bat zwei seiner langjährigen Schüler, Lama Henrik und Lama Walli, die 15 Jahre unter seiner Anleitung in Zurückziehung meditierten, dort eine Praxis- und Retreatgemeinschaft für Laien aufzubauen. Im Moment leben etwa 20 Männer und Frauen in Dhagpo Dedröl Ling (Marfond), um den Dharma zu praktizieren und den Aufbau des Zentrums voranzutreiben. Acht Personen sind im Moment unter der Leitung von Lama Henrik und Lama Walli in längeren Retreats. Dhagpo Dargye Ling wurde 1996 gegründet. Es ist ein Ort, an dem Laienpraktizierende kurze Retreats durchführen können. Das Zentrum bietet regelmäßig themenorientierte Wochenendretreats an und gelegentlich auch längere Kurse. Gendün Rinpotsches Aktivitäten im deutschsprachigen Raum Seit seiner Ankunft 1975 in Frankreich reiste Rinpotsche häufig. Schon in den siebziger Jahren unternahm er zwei Europareisen, darunter eine Reise in viele der Zentren, die der 16. Gyalwa Karmapa gegründet hatte. Rinpotsche erhielt häufig Einladungen von Personen, die in Dhagpo Kagyü Ling an seinen Kursen teilgenommen hatten. Die Belehrungen fanden dann oftmals in Privatwohnungen statt, denn es gab damals erst wenige Dharmazentren. Aufgrund seines von Offenheit und Liebe strahlenden Geistes und seines überwältigenden Mitgefühls wurden Menschen sehr unterschiedlicher religiöser und sozialer Zugehörigkeit von Gendün Rinpotsche angezogen, und bei seinen Belehrungen war immer eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts, der Toleranz und Offenheit spürbar. Der 16. Gyalwa Karmapa regte an, in Deutschland ein großes Dharmazentrum zu gründen und schon 1981, auf seiner ersten Reise durch Europa, konnte Shamar Rinpotsche diesem Wunsch nachkommen.
Im Kamalashila-Institut entfaltete sich lebhafte Aktivität. Alle großen Lamas der Kagyü Linie lehrten an diesem Platz, eine Stupa wurde errichtet und die Schreinräume mehr und mehr ausgebaut. Yeshe Udo Regel kümmerte sich in den ersten Jahren maßgeblich um das Zentrum. Shamar Rinpotsche schickte Lama Tendar, einen tibetischen Lehrer, der für ca. ein Jahr in Kamalashila lebte.
Als die Gruppe ins Retreat ging, übernahm Lama Kunga Rinchen (Reinhard Türk), ein Deutscher, der im Retreatzentrum von Kalu Rinpotsche in Kanada an einem Drejahresretreat teilgenommen hatte, 1987 die Funktion des Geschäftsführers. Im selben Jahr kamen auch zwei tibetische Lamas, Lama Tschogdrub Dordje und Lama Taschi Döndrub, um das Kamalashila Institut sowie die deutschen Stadtzentren spirituell zu betreuen. Im Zuge seiner Besuche im Retreatzentrum kam Gendün Rinpotsche auch regelmäßig nach Kamalashila, gab dort vor einem immer weiter anwachsenden Publikum Belehrungen, Meditationsanweisungen und Einweihungen und inspirierte viele Menschen zu intensiver Praxis. So fand sich eine neue Gruppe von Praktizierenden zusammen, die am folgenden Dreijahresretreat teilnehmen wollte. Pläne zum Ausbau des Hauses in Halscheid wurden entworfen, eine Zeitplanung erstellt, Geld gesammelt - kurz: es wurde alles getan, damit das nächste Retreat in Halscheid beginnen konnte. Doch bei einem der Retreat-Vorbereitungskurse wurde klar, dass für Gendün Rinpotsche in seinem hohen Alter die regelmäßigen Reisen eine zu große gesundheitliche Belastung darstellten. Damit Rinpotsche alle Retreats am selben Platz betreuen konnte wurde daher beschlossen, dass auch die deutschsprachigen Schüler ihr Retreat in Frankreich durchführen sollten. Die Anwärter für das deutsche Retreat, die bisher im Kamalashila-Institut zusammen gelebt hatten, organisierten den Umzug von Halscheid nach Frankreich; sie luden das gesamte Inventar des Retreatzentrums auf einen großen Lastwagen und brachten es in die Auvergne. Dort wurde mit vollem Einsatz gebaut. Menschen aus über 10 Nationen waren dabei, die schon vorhandenen Gebäude für das nächste Retreat zu erweitern. Zusätzlich bauten sie nun noch Häuser für die Gruppen aus Halscheid - sozusagen die Retreatzentren für Deutschland in Frankreich, "Tong Dröl Ling" und "Dren Dröl Ling". Das Zentrum in Halscheid wurde im August 1990, während eines Kurses mit Jigme Rinpotsche in "Mahamudra- Retreatzentrum" umbenannt.
Nachdem sich viele Mitglieder des Trägervereins von Kamalashila und Halscheid stärker zu Urgyen Trinle Tulku als dem 17. Karmapa hingezogen fühlten, zogen sich Gendün Rinpotsches Schüler aus diesen Zentren zurück und gründeten Kündröl Püntsok Ling in Niederbayern, wo sie ihre Arbeit fortsetzten.
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