Ein Dharmazentrum zu eröffnen ist eine Einladung an die Weisheit
der Buddhas. Man selbst bekommt dabei die Möglichkeit, Dharmabelehrungen
zu hören und auf dieser Grundlage seinem Leben eine heilsame Ausrichtung
zu geben. Damit nützt man sowohl anderen als auch sich selbst.
Rinpoche hat beobachtet, dass sich in Dharmagruppen häufig Menschen
treffen, die in ihrem Leben schon Leid erlebt haben. Menschen, denen
es relativ gut geht und die ihr Leben im Griff zu haben glauben, meinen
oft keinen Bedarf für den Dharma zu haben. Doch kann Leid auf verschiedenen
Ebenen erlebt werden: auf der ganz persönlichen Ebene, aber auch
in der Umgebung.
Buddha hat gelehrt, wie man Leid überwinden kann. So können
wir seine Belehrungen auf der relativen Ebene anwenden, um im täglichen
Leben Leid zu lindern oder aufzulösen. Darüber hinaus zeigt
die buddhistische Lehre natürlich auch den Weg, um vollkommene
Befreiung - Buddhaschaft - zu verwirklichen.
Menschen, die für den Dharma offen sind, suchen im Allgemeinen
einen Weg, um ihrem Leben eine heilsame Richtung zu geben. Auf dem Dharmaweg
lernen wir, nicht nur harmonischer mit uns selbst, sondern auch mit
unserem sozialen Umfeld umzugehen.
Das Gründen von Dharmagruppen und das gemeinsame Praktizieren hat
kurzfristig wie langfristig viele heilsame Effekte. Wir verbinden uns
mit der erleuchteten Aktivität des Gyalwa Karmapa, und diese zu
unterstützen ermöglicht es Vielen, den Dharmaweg zu gehen
- was für alle sehr segensreich ist.
Wenn wir in einem Dharmazentrum aktiv sind, ist es wichtig, in Übereinstimmung
mit dem Dharma zu handeln. Da unsere geistigen Prägungen und Gewohnheiten
samsarisch sind, erleben wir auch dort Ärger, Eifersucht, Neid,
Ehrgeiz usw. Diese Situationen können wir nutzen um zu lernen,
unsere Emotionen und ihre Ursachen immer genauer wahrzunehmen und sie
im Licht der Belehrungen besser zu verstehen. Das ermöglicht uns
im Lauf der Zeit, unser Verhalten im Sinne des Dharma zu verändern.
Unser Bestreben sollte sein, Harmonie zu entwickeln und mit anderen
auszukommen. Es geht nicht darum, unser Eigeninteresse zu verfolgen,
sondern für viele Menschen von Nutzen zu sein. Dabei ist es nötig,
dass wir unsere neue geistige Ausrichtung – die Zuflucht –
kultivieren und vertiefen, denn auch in einer Dharmagruppe stoßen
wir natürlich auf unsere Leid verursachenden Tendenzen. Wir müssen
uns selbst gegenüber wachsam sein um zu vermeiden, dass wir unsere
normalen Tendenzen und Gewohnheiten fortsetzen. Da müssen wir umlernen.
Selbst wenn wir nette Menschen sind, können wir in bestimmten Situationen
feststellen, dass wir eine Menge nicht heilsamer Gewohnheiten haben.
Wenn z.B. Ameisen in der Küche auftauchen, dann ist man nur zu
schnell bereit, sie mit Gift zu beseitigen und glaubt auch noch, das
sei richtig. Um lästige Insekten loszuwerden kann man andere Wege
finden, die berücksichtigen, dass auch Ameisen fühlende Wesen
sind.
Durch die Beschäftigung mit den Belehrungen ändert sich unsere
Geisteshaltung. Wir entwickeln ein Verständnis dafür, was
heilsame und was nicht heilsame Handlungen sind und schaffen so die
Grundlage dafür, den Erleuchtungsweg wirklich gehen zu können.
Wir bemühen uns, keine Ursachen mehr zu setzen, die das Verwirklichen
der Erleuchtung weiter und weiter verzögern. Wenn wir uns auf diese
Weise in den Dharma einstimmen, werden wir erfahren können, wie
kostbar Buddhas Lehre wirklich ist.
Jemand
stellt die Frage, wie man mit neuen Besuchern der Dharmagruppe umgehen
soll. Rinpoche antwortet, dass neue Interessierte zunächst vor
allem Dharmaerklärungen brauchen. Was die Praxis angeht, können
sie stille Meditation, Schine, üben. So können sie sich in
ihrem eigenen Rhythmus in die Gruppe einfinden. Wenn sie es möchten,
können sie auch an der Tschenresi Praxis teilnehmen. Zuflucht und
Widmung sollten generell jede Praxis, so auch die Schine Meditation
einrahmen.
Auf die Frage, wie man mit schwierigen Personen umgehen soll, antwortet
Rinpoche, dass man die Zielrichtung des Dharma auch dabei immer klar
im Geist behalten sollte. Es ist wichtig, eine harmonische und liebevolle
Haltung zu pflegen – sowohl individuell wie auch als Gruppe. Dem
anderen durch Zuhören Raum zu geben, kann eine große Hilfe
sein. Man neigt dazu, seine eigene Meinung für zu wichtig zu halten
und sie anderen aufzwingen zu wollen, wodurch die Fähigkeit verloren
geht, dem anderen wirklich zuzuhören und ihn zu verstehen.
Die geistige Ausrichtung auf den Dharma und das Anwenden seiner Mittel
sind das Wichtigste, wenn man in einem Dharmazentrum tätig ist.
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